Wien: Podiumsgespräch über „Lichtraum Johanneskirche“
Kirchenumbau im Dialog mit Theologie, Gemeinde und Denkmalamt

Kirchenumbau im Dialog mit Theologie, Gemeinde und Denkmalamt
Wien (epdÖ) – Die evangelische Pfarrgemeinde Liesing hat in den vergangenen Jahren ihren Kirchenraum umgestaltet. Mit der Veranstaltung „Sakrale Räume: Erneuerung und Denkmalschutz“ am 30. Mai ist der Schlusspunkt im Projekt „Lichtraum Johanneskirche“ gesetzt worden.
„Der Lichtraum ist Wirklichkeit geworden, die Kirche ist erneuert und renoviert; die Zugänge, der Garten, das Gemeindezentrum, die Jugendräume sind neu gestaltet und mit großer Freude in Besitz genommen worden“, erklärte Raoul Kneucker, der das Projekt rechtlich begleitet hat und Vorsitzender des Freundeskreis war, bei der Abschlussveranstaltung. „Der Freundeskreis, der zur Bewältigung der Herausforderungen, auch der finanziellen, gegründet worden war, ist aufgelöst; er hat einen gewichtigen Beitrag geleistet. Restliche Spendengelder sind an die Pfarrgemeindekasse überwiesen worden.“
Mit dieser Veranstaltung wollte man einen thematischen, inhaltlich resümierenden Schlusspunkt setzen, so Kneucker. „Der Prozess der Erneuerung dieser besonderen und einzigen ‚Art Deco‘-Kirche in Wien sollte noch einmal aus der architekturhistorischen, aus der Sicht eines berechtigten Denkmalschutzes, der Liturgie und Theologie reflektiert werden. Was war der tiefere Sinn des Projekts, der von den planenden und ausführenden Architekten umgesetzt werden sollte?“
Evangelische Theologie solle auch im Kirchenraum sichtbar werden, das betonte Pfarrerin Gabriele Lang-Czedik beim Podiumsgespräch. Die Gnade Gottes gelte grundsätzlich allen Menschen, daher sollte die Kirche offen werden. „In ihrem Inneren sollte der Mensch sich ‚gehoben‘ und nicht erniedrigt fühlen“, sagte die Pfarrerin der Johanneskirche. „Die evangelische Predigt von der Gnade und Liebe Gottes sollte auch über den Kirchenraum erfahrbar sein.“
„Entscheidend war der Dialog mit der Gemeinde; das war wichtig im Umgang mit dem Gebäude“, unterstrich die planende und ausführende Architektin Angelika Zeininger. „Es war eine ungewöhnliche Erfahrung mit einer evangelischen Gemeinde, die auch so basisorientiert ist, dieses Projekt zu entwickeln.“
Auf die Herausforderung eines Kirchenumbaus in Bezug auf den Denkmalschutz wies der Rechtswissenschaftler Wolfgang Wieshaider (Universität Wien) hin. „Zwischen Eigentümern und Denkmalamt muss es ebenso zu einem Dialog kommen. Weder die eine noch die andere Seite kann über die andere Partei hinwegsehen, es muss letztlich zu einem Konsens kommen.“
Architekturhistoriker Matthias Boeckl (Universität für angewandte Kunst Wien) betonte die „partizipative Tradition“ der Gemeinde, die sich auch beim Bauprojekt zeigte. Er wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die Entstehung der Johanneskirche sehr gut in die allgemeinen architektonischen Entwicklungen dieser Zeit passe, auch was den Sakralbau betrifft.
„Bisher hat es in Liesing zwei für die Architektur interessante Positionen gegeben, das Arbeitsamt Liesing von Ernst A. Plischke und die Wotruba-Kirche“, meinte Architekt Friedrich Kurrent. „Es ist natürlich toll, was da gelungen ist mit dem Lichtraum Johanneskirche, vor allem die Umdrehung, die Ortung. Dann ist es auch eine logische Folge, dass man die Empore rausgenommen hat. Insofern habe ich jetzt in Liesing mit der Johanneskirche eine dritte architektonisch interessante Position.“
Das Podiumsgespräch moderierte Franziska Leeb, Architekturpublizistin und Architekturkritikerin.