Schwedisch-österreichische Kooperation zum Reformationsjubiläum
Gustav-Adolf-Fest: Evangelischer Kirchentag in der Lutherischen Stadtkirche

Astrid Lindgren, Kötbullar, ein Grußwort der schwedischen Botschafterin in Österreich, Helen Eduards: ganz schön bilateral ging es am Donnerstag, 16. Juni, auf dem Gustav-Adolf-Fest in Wien zu. Zu diesem Evangelischen Kirchentag lud die Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Innere Stadt gemeinsam mit der evangelisch schwedischen Gemeinde in Wien ein. Von 10 bis 17 Uhr kamen rund 300 Evangelische zusammen – nicht nur für ein feierliches Zusammensein, auch um Gesellschaftskritisches zu hören und zu diskutieren. So verglich Karin Wassner am Nachmittag in einem Vortrag Gustav II. Adolf (Namensgeber des Gustav-Adolf-Festes) mit Martin Luther, während Botschafterin Eduards am Vormittag zur aktuellen Politik Stellung nahm. In Ihrem Grußwort forderte sie, Zufluchtsorte in Europa besser auszubauen und geflohene, schutzbedürftige Menschen „vollständig an der Gesellschaft teilhaben zu lassen.“ Doch von vorne:
Die Bläser des Posaunenchor „Ökumenobrass“ waren die ersten, die die streckenweise gesperrte Dorotheergasse „besetzten“. Sie begrüßten ab 9.30 Uhr die Gottesdienstbesucher. Rund 200 Gäste füllten die Lutherische Stadtkirche im Parterre bis auf den letzten Platz. Der österreichisch-schwedische Schwerpunkt des Festes bestimmte auch den Festgottesdienst. Pfarrerin Ines Knoll und Pfarrer Wilfried Fussenegger gestalteten gemeinsam mit der schwedischen Pfarrerin Maria Scharffenberg den Gottesdienst. Prälatin Gabriele Wulz aus Ulm (Deutschland) hielt die Predigt. Wulz ist auch Präsidentin des Gustav-Adolf-Werkes in Deutschland.
Nicht schlecht staunte die Festgemeinde, als die Bläser nach dem Schlusslied des Gottesdienstes unerwartet das Lied „I will follow him“ anstimmten und sich ein Flashmob sich formierte: ein zwölfköpfiger Chor betrat singend die Kirche, hinterdrein performten 14 TänzerInnen im Kirchengang eine synchrone Choreografie. Die Gruppe mit den einheitlichen „Reformation bewegt“-T-Shirts verschwanden unter den anschließenden Bläsertönen von „Oh when the Saints“ wieder aus der Kirche und verteilten beim Hinausgehen Postkarten mit Luther-Zuckerln, die zum Reformationsfest am Wiener Rathausplatz am 30. September einluden.
Lob und Dank wurde danach im Altarraum den Kindern ausgesprochen, die besonders gute Ergebnisse bei der Spendensammlung des Gustav-Adolf-Vereines erzielt hatten. Pfarrer Hartmut Schlener, Obmann des Gustav-Adolf-Zweigvereins Wien, und Superintendent Hansjörg Lein bedankten sich bei den jungen SammlerInnen sowie bei deren Sammelkoordinatorin und –koordinator, die im wahrsten Sinne des Wortes „gekrönt“ wurden.
Wie wichtig – nicht nur finanziell – diese Sammlungen sind, sprach Schlener in seiner kurzen Ansprache an. „GAV – das steht auch für ‚Gemeinsam-arbeiten-verbindet‘, oder rückwärts gelesen: ‚Viel Arbeit für Gotteslob‘“, so Schlener. Das unterstrich auch Senior Michael Guttner, der Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Hauptvereins in Österreich ist, in seinem Grußwort. „Die Gustav-Adolf-Feste in Wien sind für mich alljährlich wie ein Nach-Hause-kommen“, sagte Pfarrerin Ulrike Veermann, sie ist Vorsitzende des Gustav-Adolf-Werkes der Evangelischen Kirchen im Rheinland. Sie bedankte sich bei der Gastfreundlichkeit und warf einen Blick auf evangelische Diaspora-Kirchen weltweit.
Den weltweiten Blick griff Helen Eduards auf. Sie ist die schwedische Botschafterin in Österreich und lebt seit 2015 in Wien: „Wir, Frauen und Männer, müssen unsere Stärken in der Gesellschaft zusammenlegen und dürfen niemanden ausschließen. Und wir müssen damit fortfahren, Inspiration von außen einzuholen“, sagte Eduards in der Lutherischen Stadtkirche. „Gut organisiert, ist Migration eine Quelle zum Reichtum. Es ist wichtig, dass unsere Länder, gemeinsam mit anderen, für ein System arbeiten, welches Menschen auf der Flucht einen Zufluchtsort in Europa bietet.“ Die Festgemeinde unterstrich die Worte der Botschafterin mit lang anhaltendem Applaus.
Hinhörer und Hingucker war das nach einer kurzen Pause anschließende Matinéekonzert mit KirchenmusikerInnen und Mitwirkenden der Lutherischen Stadtkirche und der schwedischen Gemeinde. Begleitet von Flügel, Orgel, Streichern, Bläser, Querflöte und Klarinetten sang der über 30-köpfige Projektchor u.a. Lars Erik Larssons „God in Disguise“.
Auf diesen Ohrenschmaus folgte der Gaumenschmaus: das österreichisch-schwedische Buffet wurde eröffnet, ebenso wie der Orgelflohmarkt. In der Kirche traf sich die Jahreshauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins in Wien, im Jugendraum informierten sich Interessierte über anstehende Termine und Aktionen im heurigen Reformationsjubiläumsjahr. In der Dorotheergasse wurde viel gelacht bei einem schwedisch-österreichischem Sing- & Dance-Along. In der Kirche präsentierte Karin Wassner ihre Forschungsergebnisse, in dem sie Gustav Adolf II. dem Reformator Martin Luther gegenüberstellte.
Parallel konnten sich die jungen Festgäste beim Platzen-Lassen der riesigen Seifenblasen von Jugendreferent Sepp Fessler austoben, schwedische Gestalten aus der Literatur von Astrid Lindgren entdecken, Reformationsbutton pressen, basteln oder ihr Gesicht anmalen lassen. Das Figurentheater Leiterwagerl begeisterte mit dem Kinderbuchklassiger „Kleiner Bruder Watomi“. Die Jugend spielte Tischtennis in der Dorotheergasse. Außerdem malten die jungen Festgäste Martin Luther und Gustav-Adolf nach eigenen Vorstellungen. Diese kleinen Kunstwerke wurden bei der Schlussandacht um 16.20 Uhr präsentiert.
Der bunte Evangelische Kirchentag ging gegen 17 Uhr bei bestem Wetter zu Ende.
Das nächste Gustav-Adolf-Fest wird am 31. Mai 2018 in Transdanubien gefeiert: Zum Evangelischen Kirchentag Wien lädt dann die Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Donaustadt ein.
Weitere Fotos vom Fest finden Sie in unserem Foto-Bereich hier: Gustav-Adolf-Fest 2017