Himmelsfenster

Michael Chalupka über die Wiener Festwochen unter dem Motto „Republic of Gods“

„Das Festival hat das Wort Gott im Namen, es kann also nicht so schlecht sein“, meinte Patti Smith bei ihrem ersten Konzert bei den Wiener Festwochen, die unter dem Motto „Republic of Gods“, „Die Republik der Götter“, stehen. Die Punk-Ikone hat im Laufe ihres langen Künstlerinnenlebens erst ein entspanntes Verhältnis zur Religion entwickeln müssen. Als Tochter einer streng religiösen Familie, die den Zeugen Jehovas angehörte, war das Eingangslied „Gloria“ ihres ersten Albums, „Horses“, ein Befreiungsschlag. „Jesus starb für die Sünden von irgendjemandem, aber nicht für meine!“ heißt es dort. Jesus und Gott sind ihr aber wichtig geblieben.

Doch bei den Wiener Festwochen geht es nicht allein um den christlichen Gott. Alte und neue Götter, Gottsuchende, Gläubige, Extremisten, rechte und linke Prophetinnen und Atheisten tummeln sich auf den Wiener Bühnen und versprechen „eine mythische Feier der Gotteskritik und Gottessehnsucht“, so der Intendant Milo Rau.

Das wird ein Heulen und Zähneklappern sein, und Tränen der Freude, Ergriffenheit, aber auch der Wut werden fließen. Religion lässt niemanden kalt. Und alles wird im Lichte der Öffentlichkeit geschehen. Religion ist eben nie nur Privatsache, sondern immer auch Teil der Res Publica, der öffentlichen Sache. Wenn es gelingt, dabei auch noch Momente zu schaffen „die gewissermaßen noch ein Fenster zum Himmel aufstoßen“ – umso besser.