Trauergottesdienst in der Lutherischen Stadtkirche würdigte die langjährige Superintendentialkuratorin
Wien (epdÖ) – In einem Trauergottesdienst wurde am Mittwoch, 21. Oktober, die ehemalige Wiener Superintendentialkuratorin Inge Troch feierlich verabschiedet. Zahlreiche Wegbegleiter:innen sowie Vertreter:innen der Kirche und des öffentlichen Lebens waren am Nachmittag in die Lutherische Stadtkirche im ersten Bezirk gekommen. Troch war am 20. September bei einem Hauseinsturz ums Leben gekommen (siehe https://evang.at/wien-ehemalige-superintendentialkuratorin-inge-troch-toedlich-verunglueckt/).
In ihrer Traueransprache würdigte Bischöfin Cornelia Richter das Wirken von Inge Troch. Sie habe „zu den wenigen Menschen gehört, in denen sich – so wie in mir selbst – die Faszination der Wissenschaft mit einem Leben in der Kirche aufs engste verbindet“. Die vielen Erzählungen, die Richter in den vergangenen Wochen hörte, „stellen mir Inge Troch als eine Persönlichkeit vor Augen, die das große Potential unserer synodalen Verfasstheit in sachlicher Perfektion, strategischer Klugheit und kommunikativer Freundlichkeit zum Leuchten gebracht hat“. In ihrem außerordentlichen Engagement in Synode und Generalsynode habe Troch „offenbar sehr viel früher als andere die großen Transformationsprozesse erkannt, die auf unsere Kirche und Gesellschaft zugekommen sind und zukommen“, so die Bischöfin.
Die Trauerpredigt hielten drei Personen, die Troch während ihrer Amtszeit als Superintendentialkuratorin eng verbunden waren: Superintendent i.R. Hansjörg Lein, Pfarrerin Julia Schnizlein sowie Superintendent Matthias Geist.
Lein widmete sich „dem Menschen“ Inge Troch. „Es war uns vergönnt, zwölf Jahre gemeinsam die Evangelische Diözese Wien zu leiten“, blickte der ehemalige Wiener Superintendent zurück. Sie habe es ehrenamtlich getan, war gerade in Pension gegangen und habe eine neue erfüllende Aufgabe gesucht – und „von Anfang an haben wir auf Augenhöhe miteinander gearbeitet“. Lein sprach von Troch als “wahrer Menschenfreundin“, „herzlich und kommunikativ, eine aufmerksame Beobachterin, die alle Menschen in ihrem Sein ernst nimmt.“
Schnizlein: „Das Priestertum aller Getauften gelebt“
Die Pfarrerin der Lutherischen Stadtkirche, Julia Schnizlein, erinnerte an „die Protestantin“ Inge Troch, die Spuren hinterlassen habe „im Leben sehr, sehr vieler Menschen“. 1955 war sie hier, „vor diesem Altar, wo heute ihr Sarg steht“, konfirmiert worden. Ihr Konfirmationsspruch aus dem Hebräerbrief „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade“ habe ihr noch viele Jahrzehnte später Halt und Orientierung gegeben.
Schnizlein verwies darauf, dass Troch Überzeugungen hatte, ebenso ein waches Gewissen und den Mut, dafür einzustehen. Sie habe sich eingemischt – aber nicht, um sich wichtig zu machen, „sondern weil ihr etwas wichtig war: ihre Kirche, die Menschen, die zu ihr gehören. Ihr Glaube“. Mit ihrer Erfahrung, ihrem Verstand, ihrer Zeit und ihrer „unerschöpflichen Energie“ habe sich Troch eingebracht, würdigte Schnizlein die Verstorbene. Das Priestertum aller Getauften sei für sie nicht nur Theorie gewesen, sondern „sie hat es gelebt“.
Geist: „Rechnen nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Gott als Anker“
Superintendent Matthias Geist wiederum schlug thematisch eine Brücke zur Mathematikprofessorin Troch. Mit dem tragischen plötzlichen Tod scheine „jede Logik, jede Gerechtigkeit außer Kraft gesetzt“. So werde die Klage laut – auch an Gott. „Unser Glaube scheint erschüttert: Wie konnte DAS geschehen?“, zeigt sich Geist noch immer tief bewegt. Und dennoch: „Inge Troch glaubte an eine ewige Liebe, von der sie sich getragen wusste.“ Als Mensch habe sie vieles für berechenbar und planbar gehalten, sagte Geist. „Doch sie rechnete nicht nur mit Zahlen und Excel-Tabellen, sondern auch mit Gott als Anker ihres Lebens.“ Und weiter: „Sie rechnete mit Menschen und wir mit ihr, und doch war sie nie berechnend.“
Gewürdigt im Gottesdienst wurde Troch in einer Ansprache auch von Univ.-Prof. i.R. Felix Breitenecker, der bei Troch promovierte hatte. Er gewährte Einblicke in das Wirken der Universitätsprofessorin und wie prägend sie für ihn und andere gewesen sei.
Musikalisch gestaltet wurde die Feier von Erzsébet Windhager-Géred an der Orgel und Valentin Koblitz an der Oboe.