Wirkstudie zeigt Zusammenhang zwischen Tagesbetreuung und Lebensqualität
Wien (epdÖ) – „Bei Demenz kann man nichts machen – diese weitverbreitete Meinung stimmt nicht“, sagte Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, in einer Pressekonferenz anlässlich des Weltalzheimertags (21. September). Konkret fordert die Diakonie einen Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten für Demenz-Erkrankte. Besonders wichtig seien dabei leistbare Tagesbetreuungszentren, wie aus Daten einer neuen Diakonie-Wirkstudie hervorgeht. Besuche in solchen Zentren müssten laut Moser, „zwei- bis dreimal pro Woche österreichweit für alle leistbar sein“.
Pflege in Tagesbetreuung ist laut Diakonie ein nachweislich wirksamer Ansatz, um den Krankheitsverlauf auszubremsen. In einer Wirkungsanalyse des Diakoniewerks Wels zeigen sich bei den Erkrankten positive Effekte auf soziale Teilhabe und Demenzverlauf. „Gemeinschaft, Bewegung, Singen, Vorlesen, kreatives Gestalten, ein strukturierter und abwechslungsreicher Alltag: All das hilft Menschen mit Demenz, ihre Fähigkeiten länger zu erhalten, aktiv zu bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, so Moser.
Auch die Angehörigen werden laut den Daten entlastet: 89 Prozent der Befragten berichten von einer zeitlichen und emotionalen Entlastung. Zusätzlich besteht noch ein finanzieller Benefit für pflegende Angehörige. Wenn die Erkrankten in Tagesbetreuung sind, kann in erhöhtem Maß wieder der Erwerbsarbeit nachgegangen werden. Mit diesen Hintergrundzahlen sieht Moser nun die Pflegepolitik am Ball, „die Konsequenzen daraus zu ziehen“.
Pflegezentren: teuer und unübersichtlich
In Österreich gibt es 260 Tagesbetreuungszentren, davon elf von der Diakonie betrieben. Je nach Wohnort zahle man zwischen 25 und 80 Euro für fast identische Pflegeleistungen. Einen der Hauptgründe für diese ungleiche Situation sieht die Diakonie-Direktorin in „den Untiefen des Föderalismus“. Zusätzlich sei die Angebotsstruktur für Demenzkranke „zu komplex“, wie Petra Rösler, Pflegeexpertin der Diakonie, der Nachrichtenagentur Kathpress mitteilte. Oftmals brauche es „sehr viel Beratung und manchmal etwas Glück, um an die richtige Stelle zu kommen“.
Neben Obergrenzen für die Tagesbetreuungskosten fordert die Diakonie daher bessere Informationen durch Beratungsstellen und Krankenanstalten. Von enormer Wichtigkeit sei zudem der Übergang von Tagesbetreuung zu „Demenz-Kompetenzzentren“. Im Gegensatz zur Tagesbetreuung soll es hier verpflichtende Gespräche über den Gesundheitszustand des Erkrankten geben. Zusätzlich fehle laut Rösler noch eine einheitliche Struktur betreffend der Frage, wer in einem Tageszentrum arbeitet. Derzeit gehe es von „nur ehrenamtlichen Mitarbeitern bis hin zu speziellen Demenzzentren mit Fachkräften“, so Rösler.