Michael Chalupka über den „Weg des Buches“
Machen Sie sich auf den Weg. In Österreich laden viele Wege zum Pilgern ein. Unter anderen auch der „Weg des Buches“ quer durch Österreich, von Nord nach Süd, auf den Spuren der Bibelschmuggler aus der Zeit des Geheimprotestantismus. Der Weg beginnt an der bayerischen Grenze und führt über das Salzkammergut, den Dachstein, die Kärntner Nockberge bis an die slowenische Grenze nach Arnoldstein.
Zu Zeiten der Gegenreformation bis ins Jahr 1781 war es für die Evangelischen in Österreich schwer, an Informationen über ihren Glauben zu kommen. Öffentliche Gottesdienste waren verboten – rund 180 Jahre, sieben Generationen lang. Gottesdienst wurde trotzdem gefeiert. Zu Hause ganz ohne Pfarrer. Bibelschmuggler haben die Geheimprotestanten in ihren Enklaven entlang des „Weg des Buches“ mit Bibeln, Luthers Hauspostillen, Gesangs- und Andachtsbüchern versorgt.
Michael Unterlercher beschreibt das noch Anfang des 20. Jahrhunderts in seinen Erinnerungen eines Bergbauernbuben so: Nach dem „Prödiglesen, Betn und dem Heilige-Liader-Singen“ wude „a bsunders guats Essn afn Tisch gstöllt“. Nach dem Essen ging jeder mit „an Buach in sei Winkele. Es is still in ganzn Haus.“
Anlässlich der Eröffnung des Weges vor mehr als zehn Jahren, fasste der damalige evangelische Bischof Michael Bünker es so zusammen: „Ein Weg zum Nachdenken, zum Pilgern, zum Lesen in der Bibel – es ist der Weg des Buches.“