Gewaltprävention im Fokus der ökumenischen Tagung zu Schulseelsorge

<h3>Bischöfin Richter: Seelsorge als „Markenzeichen unserer Kirchen“</h3>
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<p>Wien/Linz (epdÖ) – Gewaltprävention an Schulen stand im Fokus einer ökumenischen Tagung am Donnerstag, 12. März, in Linz. Unter dem Motto „Selig, die Frieden stiften!“ trafen sich etwa 100 Personen aus Schulseelsorge, Schulpastoral und Religionsunterricht aus ganz Österreich. Die Rolle der Schulseelsorge in der Prävention von Gewalt durch die positive Gestaltung von Schulkultur und Friedenserziehung war ebenso Thema wie spirituelle Gewalt als mögliche Gefahr im Rahmen von schulpastoralen und schulseelsorglichen Beziehungen.</p>
<p>In ihren Grußworten betonten die Bischöfin der Evangelischen Kirche A.B. Cornelia Richter und der römisch-katholische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl die Bedeutung seelsorglicher Begleitung im schulischen Kontext. Richter erklärte die Seelsorge zum „Markenzeichen unserer Kirchen“ und betonte, wie wichtig es sei, „dass wir das Thema als Kirche auch in der Zukunft ernst nehmen und ein möglichst gutes Angebot bereitstellen“.</p>
<p>„Selbst wenn es im Elternhaus hart zugeht – Gewalt, Missbrauch, Alkohol, was immer – selbst wenn es dort niemand Verlässliches gibt, kann es eine resiliente Entwicklung geben“, betonte die Bischöfin. Denn es brauche vor allem eine Person, die dieses Kind anschaut, die es ernst nimmt, die zuhört, tröstet und ermutigt. „Ob es der Trafikant ist, der Eisverkäufer, der Busfahrer oder eben Sie – die Lehrerinnen und Lehrer, die Seelsorgerinnen und Seelsorger –, es braucht nur einen Menschen, der sich diesem Kind ganz und gar zuwendet.“</p>
<h3>Junge Menschen stärken und zur freien Entscheidung befähigen</h3>
<p>Schulpastorales Handeln eröffne Räume, in denen Fragen und Suchen ihren Platz haben, betonte Bischof Krautwaschl. Gerade in Krisenzeiten zeige sich, wie wichtig solche Orte seien, an denen erfahrbar werde: „Liebe ist wirkmächtiger als Hass.“</p>
<p>Einen ersten thematischen Impuls setzte Harald Mattel. Ziel schulpastoralen Handelns müsse sein, junge Menschen zu stärken und sie zur freien Entscheidung zu befähigen, so der Salzburger Generalvikar. Eine potentielle Gefahr stellt für ihn die sogenannte „spirituelle Gewalt“ dar, wenn etwa religiöse Inhalte oder geistliche Autorität eingesetzt werden, um Druck auszuüben, Abhängigkeiten zu erzeugen oder eigene Positionen durchzusetzen.</p>
<h3>Beispiele aus der Praxis: Schulseelsorge lebt von der Vernetzung</h3>
<p>Einen praktischen Zugang zum Tagungsthema wählten am Nachmittag Anne-Kathrin Wenk, Fachbuchautorin und Lehrlingsausbilderin, und Sabine Schönwetter-Cebrat, Fachinspektorin für den evangelischen Religionsunterricht in der Steiermark. Die Referentinnen zeigten unter anderem die vielfältigen Möglichkeiten der Schulseelsorge auf: Einmalige Gesprächskontakte gehören demnach ebenso zum Spektrum wie Gruppenangebote, spirituell-religiöse Impulse und andere Formen der Begleitung bis hin zu diakonischen Projekten.</p>
<p>Eine zentrale Schlussfolgerung: Schulseelsorge brauche Zeit und lebe von der “Kooperation innerhalb und außerhalb der Schule“, so Wenk und Schönwetter-Cebrat. Dabei wurde die Rolle der Schulseelsorge auch in Abgrenzung zu anderen Formen psychosozialer Unterstützung wie Schulpsychologie oder Schulsozialarbeit beschrieben – zugleich aber klar als Teil eines gemeinsamen Netzwerkes im System Schule verstanden.</p>
<p>Die ökumenische Schulpastoral- und Schulseelsorgetagung wurde gemeinsam organisiert von Marie-Theres Igrec (Ordensgemeinschaften Österreichs), Sabine Schönwetter-Cebrat (Evangelische Kirche A. und H.B. in Österreich) und Anna Davogg (Konferenz der Schulamtsleiter:innen Österreichs). Im Organisationsteam waren auch Clemens Paulovics von der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs, Fachbuchautorin und Lehrlingsausbilderin Anne-Kathrin Wenk, Schulseelsorgerin Sr. Gudrun Schellner SSM sowie der katholische Religionspädagoge und Schulpastoralverantwortliche Markus Aichelburg.</p>