<h3>„Wiener Erklärung“ für ein „friedvolles, konstruktives und respektvolles“ Miteinander</h3>
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<p>Wien (epdÖ) – Vertreter von zehn Religionsgemeinschaften haben am Sonntag, 8. März, auf dem Gelände des entstehenden Wiener „Campus der Religionen“ die „Wiener Erklärung – Religionen für den Frieden“ unterzeichnet. Darin halten sie fest, dass sie sich aus dem Glauben als „kraftvolle Basis“ heraus gemeinsam für den Frieden einsetzen, jeden „Missbrauch von Religion zur Anstiftung oder Rechtfertigung von Terror und Gewalt“ und jede „Diskriminierung und Bedrohung religiösen Lebens“ verurteilen sowie sich verpflichten, das gegenseitige Verständnis in den jeweiligen Religionsgemeinschaften zu stärken.</p>
<p>„Wir appellieren an unsere Gemeinden und an alle Menschen, die in Wien leben, sich unermüdlich für den Erhalt des friedlichen und respektvollen Miteinanders in unserer Stadt einzusetzen“, heißt es in der Erklärung, die zunächst am 9. Jänner 2025 von Kardinal Christoph Schönborn, Oberrabbiner Jaron Engelmayer und dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, unterzeichnet worden war. Nun haben sich in dem feierlichen Akt am Wiener „Campus der Religionen“ auch andere Religionsgemeinschaften dieser Erklärung angeschlossen, um so ein „gemeinsames Zeichen für ein friedvolles, konstruktives und respektvolles Miteinander“ zu setzen. Im Anschluss an die Unterzeichnung wurde das Dokument als Zeitkapsel in den Eckstein des entstehenden „Campus der Religionen“ eingelassen.</p>
<p>Unterzeichnet wurde die Erklärung am Sonntag von Superintendent Matthias Geist (Evangelische Kirche A.B.), Superintendent Stefan Schröckenfuchs (Evangelisch-methodistische Kirche), Oberrabbiner Jaron Engelmayer, Walter Hessler (Neuapostolische Kirche in Österreich), Gursharan Singh Mangat (Sikh Gemeinde Österreich), Sunil Narula (Hindugemeinschaft Österreich), Archimandrit Ilias Papadopoulos (Ökumenisches Patriarchat Metropolis von Austria), Bischofsvikar Dariusz Schutzki (Römisch-katholische Kirche), Imam Ermin Šehic (Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich), Gerhard Weissgrab (Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft) sowie von Harald Gnilsen (Verein Campus der Religionen).</p>
<h3>„Ein Zeichen für die ganze Welt“</h3>
<p>Für den Wiener Superintendenten Matthias Geist ist die Erklärung eingebettet in das gesamte Engagement der Religionsgemeinschaften für den Frieden – ein Engagement, das sich im „Leuchtturmprojekt“ des „Campus der Religionen“ zeige und nun in der „Wiener Erklärung“ eine weitere Bekräftigung erfahre. „Mit unseren Unterschriften unter diese Friedenserklärung bekräftigen wir die große Sehnsucht vieler Menschen und treten sehr bewusst für das menschliche Miteinander in einer leider so zerrissenen Welt ein“, betonte Geist in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress und epdÖ.</p>
<p>Der evangelisch-methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs ergänzte, dass die Erklärung der Mitglieder des Campus ein Zeichen sein wolle, „dass friedliches Miteinander auch in großer Vielfalt möglich ist“. Die religiöse Vielfalt sei dabei kein Problem – vielmehr verbinde alle Religionen die Überzeugung, ein „Geschöpf zu sein, das eine Würde hat – und ein Gegenüber, das gar nicht so anders ist als ich. Wir atmen dieselbe Luft, wir werden von derselben Erde genährt. Wir trinken dasselbe Wasser. Und jedem von uns kann es nur dann gut gehen, wenn es auch dem oder der anderen gut geht“, so Schröckenfuchs.</p>
<p>Der Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki unterstrich den weit über Österreich hinaus reichenden Signalcharakter der Erklärung: Es sei ein „großartiges Zeichen des Friedens, des Miteinanders, der Toleranz und des Respekts“, bekräftigte Schutzki. Damit sei es zugleich „ein Zeichen für die ganze Welt“, dass es möglich ist, in einer Zeit der Spaltung, Kriege und Orientierungslosigkeit Frieden, Toleranz, Dialog und Respekt als „wahre Fundamente unserer Zeit und unserer Welt“ in den Vordergrund zu stellen.</p>
<p>Der orthodoxe Wiener Archimandrit Ilias Papadopoulos bezeichnete den Versuch eines gemeinsamen Friedenstiftens als langwierige und oft mühsame Aufgabe – „und doch ist es die einzige Hoffnung für die Wiederherstellung unserer gebrochenen Welt“. In dieser Situation sei die „Wiener Erklärung“ ein wichtiger Meilenstein, der zum Ausdruck bringe: „Wo Hass herrscht, wollen wir Verständnis bringen. Wo Zwietracht herrscht, wollen wir verbinden.“</p>
<h3>„Wiener Erklärung“ im Wortlaut</h3>
<p>„In Wien gibt es eine gute, tragfähige und konstruktive Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften. Sie ist auch Frucht eines langjährigen Dialogs in unserer Stadt. Aus dieser Erfahrung und aus unserer gemeinsamen Verantwortung setzen wir uns für den Frieden ein – in der Überzeugung, dass der Glaube eine kraftvolle Basis für ein friedliches Zusammenleben sein kann“, heißt es in der „Wiener Erklärung“ im Wortlaut.</p>
<p>„Entschieden verurteilen wir jeglichen Missbrauch von Religion zur Anstiftung oder Rechtfertigung von Terror und Gewalt. Zugleich treten wir gegen jede Form von Diskriminierung und Bedrohung religiösen Lebens auf. Wir verpflichten uns, das gegenseitige Verständnis und den Zusammenhalt in unseren Religionsgemeinschaften mit aller Kraft zu stärken. Wir appellieren an unsere Gemeinden und an alle Menschen, die in Wien leben, sich unermüdlich für den Erhalt des friedlichen und respektvollen Miteinanders in unserer Stadt einzusetzen.</p>
<p>Ein Jahr nach der Unterzeichnung der ‚Wiener Erklärung – Religionen für den Frieden‘ durch die Vertreter der drei abrahamitischen Religionen, Dr. Christoph Kardinal Schönborn, Mag. Ümit Vural und Oberrabbiner Jaron Engelmayer, schließen sich die am Verein ‚Campus der Religionen‘ beteiligten Kirchen und Religionsgesellschaften durch ihre Vertreter sowie der Vorsitzende des Vereins dieser Wiener Erklärung an. Sie setzen damit ein gemeinsames Zeichen für ein friedvolles, konstruktives und respektvolles Miteinander, welches von allen Religionen und allen Menschen in den einzelnen Religionsgemeinschaften getragen werden soll“, heißt es in der „Wiener Erklärung“.</p>