Richter und Grünwidl unterzeichneten gemeinsam mit Gefängnisseelsorger:innen Erklärung zur intensiveren Zusammenarbeit
Wien (epdÖ) – Die Römisch-katholische und die Evangelische Kirche verstärken ihre Zusammenarbeit in der Seelsorge für die Insassen und Insassinnen der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten am 17. April Bischöfin Cornelia Richter und Erzbischof Josef Grünwidl in einem ökumenischen Gottesdienst in der Anstaltskapelle der Justizanstalt. Der Vereinbarung zufolge, die in feierlichem Rahmen auch die evangelische Gefängnisseelsorgerin Daniela Schwimbersky und der katholische Gefängnisseelsorger sowie Leiter der Anstaltsseelsorge, Jonathan Werner, unterschrieben haben, werden die Insassinnen und Insassen der Justizanstalt Wien-Josefstadt künftig von einem ökumenischen Seelsorgeteam betreut und begleitet.
Den Auftrag Jesu, Gefangene zu besuchen (vgl. Mt 25,36), „erfüllen evangelische und katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger in gleichem Glauben, in vielfach gleicher Weise und in versöhnter Verschiedenheit“, heißt es im unterzeichneten Dokument. Grund für den ökumenischen Schulterschluss sei die Erfahrung des Seelsorgeteams, „dass konfessionelle Fragen und Unterschiede nur selten von Bedeutung sind“. Das ermutige die beiden Kirchen, „noch enger und besser zusammenzuarbeiten und so manche historisch gewachsene Differenz außer Acht zu lassen, zum Wohle derer, für die wir da sein wollen“, so die Erklärung weiter. Die beiden Kapellen der Kirchen werden künftig gemeinsam als „sakrale Räume der Liturgie, der Spiritualität und Gemeinschaft gleichberechtigt“ genutzt, bei der Abhaltung der Gottesdienste werde man sich künftig gegenseitig unterstützen und bereichern.
Die Insassinnen und Insassen seien „ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit herzlich willkommen“ und können weiterhin „so sie oder er es wünscht, von einer Seelsorgerin/einem Seelsorger der eigenen Konfession betreut werden“, heißt es in dem Dokument weiter. Die Vereinbarung zwischen der Katholischen und Evangelischen Kirche sei der Anfang intensiverer Zusammenarbeit in der Gefängnisseelsorge. Man wolle in Zukunft auch die Kooperation mit der orthodoxen und der muslimischen Seelsorge intensivieren, so Anstaltsseelsorger Jonathan Werner bei der Unterzeichnung.
Richter: „Bei Gott gibt es Halt und Sicherheit“
Bischöfin Cornelia Richter ermutigte die anwesenden Insassen, auch in schwierigen Phasen auf Gott zu vertrauen: „Wenn es hart auf hart kommt, vertraue ich darauf, dass es bei Gott Halt und Sicherheit gibt.“ Das Vertrauen in Gott gebe Halt, „wenn es keinen Boden und keinen Halt mehr im Leben gibt“, bekräftigte Richter. Der Glaube sei der rote Faden in ihrem Leben, sagten sowohl Richter als auch Grünwidl beim Predigtgespräch während des Gottesdienstes.
Der ökumenische Gottesdienst sollte Schwimbersky zufolge den seelsorgerischen Arbeitsbereich „sichtbarer“ machen. „Sie soll auch innerhalb der Evangelischen Kirche ein Bewusstsein schaffen, welche Bedeutung die Gefängnisseelsorge für inhaftierte Menschen hat, und dass es nicht gut wäre, diesen Arbeitsbereich gänzlich aufzugeben“, unterstrich die Gefängnisseelsorgerin.
Während des Gottesdienstes betonte Erzbischof Josef Grünwidl die Pluralität in der Kirche und zwischen den Konfessionen: „Das Miteinander in der Verschiedenheit und mit der evangelischen und orthodoxen Kirche erlebe ich in Wien als sehr lebendig. Darauf können wir stolz sein. In der Buntheit und Unterschiedlichkeit der Religionen und Kulturen sind wir gemeinsam unterwegs“, sagte Grünwidl.