Kirchen: Kein Nachlassen beim Klimaschutz

Bischöfin Richter und Bischof Zsifkovics in den ÖRKÖ-Vorstand gewählt

Wien (epdÖ) – Die Kirchen in Österreich müssen das Thema Klimaschutz am Laufen halten und stets aufs Neue mit Vehemenz in Gesellschaft und Politik einbringen. Das war der Tenor bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) am 8. Oktober in Wien. Im Mittelpunkt der Beratungen der ÖRKÖ-Delegierten stand die Frage, welche Klimaschutzmaßnahmen und -konzepte es in den einzelnen Kirchen gibt und wie die ökumenische Zusammenarbeit und auch jene mit anderen Religionen und zivilgesellschaftlichen Institutionen noch gestärkt werden kann.

Die Delegierten tagten unter dem Vorsitz des armenischen Bischofs Tiran Petrosyan in den Räumlichkeiten der Neuapostolischen Kirche in Wien-Penzing. Die Vollversammlung eröffnete der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis mit einem spirituellen Impuls, in dem er die ökologische Krise zuallererst als eine geistliche Krise bezeichnete. Es brauche ein fundamentales Umdenken im Blick auf das eigene Menschenbild und das Verhältnis zur Natur, so der Metropolit. Das Bestreben, die Natur als bloße Ressource zu sehen, zu beherrschen, zu instrumentalisieren und auszubeuten, habe in die Krise geführt.

„Im Glauben an Gott, der alle Geschöpfe liebt, würdigen wir dankbar das Geschenk der Schöpfung, den Wert und die Schönheit der Natur sowie unsere vollkommene Abhängigkeit von der Schöpfung für unsere gesamte Existenz“, zitierte Kardamakis aus der Charta Oecumenica. Die „Charta Oecumenica“ enthält Leitlinien für die Zusammenarbeit der Kirchen im 21. Jahrhundert. Das ursprünglich aus dem Jahr 2001 stammende ökumenische Dokument wurde in den vergangenen Jahren überarbeitet und in einer Neufassung 2025 erneut beschlossen. Christliche Spiritualität sei dem Metropoliten zufolge nie eine „Flucht aus der materiellen Welt“. Vielmehr gelte: „Gott rettet uns nicht aus der Schöpfung heraus, sondern mit der Schöpfung”, sagte der Metropolit.

Ökumenische Umweltarbeit

Über die Aktivitäten in der evangelischen und katholischen Kirche berichteten Jakob Lissy, Klimaschutzreferent der Evangelischen Kirche in Österreich, und Axel Isenbart, Umweltbeauftragter der katholischen Diözese St. Pölten. Lissy stellte u. a. das 2023 beschlossene Klimaschutzkonzept der Evangelischen Kirche vor. Darin strebt die Evangelische Kirche an, über den gesetzlich in Österreich und in der EU fixierten Reduktionspfad hinaus bis 2035 klimaneutral zu sein. „Als Evangelische Kirche A. und H.B. verpflichten wir uns, uns auf allen Ebenen aktiv für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen und am Globalziel der Klimaneutralität zu arbeiten“, heißt es in dem 37 Seiten umfassenden Konzept.

Das Klimaschutzkonzept richte sich an die Gemeinden auf Ebene der Pfarr- und Superintendentialgemeinden wie auch der Gesamtkirche, sowie an die ehren- und hauptamtlich in der Kirche tätigen Menschen. Anhand der vier Themenbereiche Gebäude und Energie, Mobilität, Beschaffungswesen würden konkrete Impulse geliefert, hob Lissy hervor. Neben dem Ziel der Klimaneutralität 2035 werden in dem Klimaschutzkonzept auch zugehörige Etappenziele beschrieben, um die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren und Klimaneutralität zu erreichen. Die Etappenziele umfassen die Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom bis 2025, die Umstellung aller Dienstwagen auf E-Autos bis 2030 sowie das Ersetzen aller Heizölkessel und Gasheizungen durch regenerative Heizsysteme bis 2030 bzw. 2035. Laut Hochrechnung seien rund 70 fossile Heizungen durch erneuerbare Heizsysteme ersetzt worden. Auf gesamtkirchlicher Ebene seien alle Dienstautos elektrisch unterwegs, betonte der Umweltexperte.

An die 2015 von Papst Franziskus veröffentlichte Sozial- und Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ erinnerte Isenbart. Die katholische Bischofskonferenz habe sich seit der Veröffentlichung von „Laudato si“ intensiv und regelmäßig mit den Themen der Nachhaltigkeit beschäftigt und sich als Kirche in Österreich verpflichtet, ökologische und nachhaltige Entwicklungsziele für die Diözesen umzusetzen. Im Gefolge der wegweisenden Enzyklika habe die Bischofskonferenz ambitionierte Umweltziele zu den Themen Nachhaltigkeit, Energiewende und ökosoziale Beschaffungsordnung beschlossen.

Die beiden Umweltexperten berichteten auch über gemeinsame ökumenische Initiativen wie die „Aktion Autofasten“, „Radln in die Kirche“ oder den Kirchlichen Umweltpreis, der nachhaltige innovative Projekte in den Bereichen Energiewende, Beschaffung und Bewirtschaftung auszeichnet. Die katholisch-evangelische Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, man sei freilich jederzeit offen, auch mit anderen Kirchen verstärkt zusammenzuarbeiten, unterstrichen Lissy und Isenbart.

Ebenso wurden seitens orthodoxer und altorientalischer Delegierter bei der Vollversammlung einige Initiativen im Klimaschutzbereich präsentiert. Unter anderem wurde auch im Blick auf die spirituelle Dimension des Klima- und Umweltschutzes auf die orthodoxe vegane Fastenpraxis verwiesen, die beispielgebend sein könnte, wie es hieß.

Ein weiteres Thema der Vollversammlung war die Situation im Heiligen Land. Der ÖRKÖ beteiligt sich seit 2010 am „Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI). Mittels dieses Programms werden vom Weltkirchenrat Freiwillige aus aller Welt entsendet, die sich für ein Ende der Gewalt und ein friedliches Zusammenleben von Palästinensern und Israelis einsetzen. An diesem Engagement wollen die Kirche – trotz oder gerade wegen der aktuellen dramatischen Situation – weiter festhalten, wurde bei der Vollversammlung beschlossen. Der im ÖRKÖ für das Begleitprogramm zuständige reformierte Pfarrer Thomas Hennefeld berichtete, dass aus Sicherheitsgründen derzeit die Entsendung von Freiwilligen nicht möglich sei. Man hoffe aber, dass ab Jänner 2027 wieder eine Freiwillige aus Österreich vor Ort ihren Einsatz absolvieren kann.

Personelle Veränderungen

Im Rahmen der Vollversammlung wurde auch der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen teilweise neu bestellt. Bischöfin Cornelia Richter wurde neu in den ÖRKÖ-Vorstand gewählt. Richter folgt auf Oberkirchenrätin Ingrid Bachler. Zudem ist der Linzer Bischof Manfred Scheuer aus dem Vorstand ausgeschieden. Für ihn wählten die Delegierten den Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics neu in den Vorstand. Zsifkovics hat vor Kurzem auch in der katholischen Bischofskonferenz die Ökumene-Agenden übernommen. Der ÖRKÖ-Vorsitzende Bischof Petrosyan bedankte sich bei den beiden ausscheidenden Vorstandsmitgliedern für ihren langjährigen unermüdlichen Einsatz für die Ökumene in Österreich.

Dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) gehören 18 Kirchen an: die Altkatholische Kirche, Anglikanische Kirche, Armenisch-apostolische Kirche, Bulgarisch-Orthodoxe Kirche, Evangelische Kirche A.B., Evangelische Kirche H.B., Evangelisch-methodistische Kirche, Griechisch-Orthodoxe Kirche, Koptisch-Orthodoxe Kirche, Römisch-Katholische Kirche, Rumänisch-Orthodoxe Kirche, Russisch-Orthodoxe Kirche, Serbisch-Orthodoxe Kirche und Syrisch-Orthodoxe Kirche. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche, der Bund der Baptistengemeinden, die Indisch-orthodoxe Kirche und die Neuapostolische Kirche sind „Mitglieder mit beratender Stimme“. Weitere Institutionen bzw. Organisationen besitzen Beobachterstatus.

Infos zum ÖRKÖ unter www.oekumene.at bzw. www.schoepfung.at.