Kirche zwischen Tradition, Transformation und Innovation
Wien / Sibiu / Hermannstadt (epdÖ) – Die Frage nach dem Verhältnis von Tradition, Transformation und Innovation gehört zu den zentralen Herausforderungen, vor denen Kirchen in Europa heute stehen. Vor diesem Hintergrund fand am Freitag, 27. März in Hermannstadt/Sibiu der diesjährige „Dies Academicus“ statt. Organisiert wurde die Tagung vom Theologischen Institut der Lucian-Blaga-Universität und dem Zentrum für Evangelische Theologie Ost (ZETO), mit finanzieller Unterstützung des Bundeslands Kärnten. Das Programm umfasste unter anderem Vorträge von internationalen Referenten wie Patrick Todjeras, Rektor des Werks für Evangelisation und Gemeindeaufbau in der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Ebenfalls aus Österreich angereist war Pfarrer Thomas Pitters, Mit-Organisator der Tagung.
Unter dem Titel „Vital trotz widriger Umstände“ analysierte Todjeras die kirchliche Lage im deutschsprachigen Raum und sprach von einem tiefgreifenden Wandel, der durch Säkularisierung und „Apatheismus“ geprägt sei. Er betonte die strukturellen Herausforderungen: „Wir haben es nicht nur mit Abbrüchen an den Rändern zu tun. Wir haben es auch mit einer nachlassenden Bindung und zunehmenden Säkularität bei den Menschen zu tun, die noch da sind.“ Er verwies auf die Ergebnisse einer aktuellen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung und stellte fest: „Die Menschen haben nicht einmal mehr die Frage, die der Glaube beantworten soll.“
Todjeras: Kirche als „Einstreuung“ in die Gesellschaft
Gleichzeitig zeigte Todjeras Beispiele neuer Vitalität auf, etwa steigende Gottesdienstbesuche junger Erwachsener in England oder hohe Zahlen von Erwachsenentaufen in Frankreich. Seine theologische Schlussfolgerung lautete: „Wir sollten Abschied nehmen von der Idee eines Zurück in die alten stabil-volkskirchlichen Verhältnisse.“ Die Zukunft der Kirche liege in einer bewussten Annahme der Diasporasituation, verstanden als „Einstreuung“ in die Gesellschaft.
Weitere Vorträge kamen von Christoph Sigrist (Schweiz), Johannes Klein (Rumänien), Anton Tikhomirov (Russland) und Mirjam Sauer (Deutschland, online). Die anschließende Podiumsdiskussion unter der Moderation von Thomas Pitters brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Rumänien, Russland und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zusammen und vertiefte die Frage nach der Zukunft kirchlicher Präsenz in pluralen Gesellschaften. Den Abschluss des „Dies Academicus“ bildete ein Festgottesdienst, in dem die neue Generalsekretärin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Susanne Schenk, predigte.