Ein Jahr Waffenruhe in Gaza: Humanitäre Katastrophe hält an

Diakonie unterstützt und mahnt Zugang für Hilfe ein

Wien (epdÖ) – Am 10. Oktober jährt sich der Beginn der Waffenruhe in Gaza zum ersten Mal. Die Diakonie betont in einer Presseaussendung, dass sich dennoch für die Bevölkerung die Lage kaum entspannt habe und die humanitäre Katastrophe anhalte. Die evangelische Hilfsorganisation verweist auf anhaltende Luftangriffe und den massiv eingeschränkten Zugang zu lebensnotwendiger Hilfe. „Trotz Waffenruhe leisten unsere Partner humanitäre Hilfe in Gaza de facto unter Kriegsbedingungen“, beschreibt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser die Lage. Von Normalität könne keine Rede sein, ein menschenwürdiges Leben sei nicht möglich. „Es fehlt an allem: Medikamenten, funktionierender Gesundheitsversorgung, Energie, sauberem Wasser und Schulunterricht“, so Moser.

Humanitäre Hilfe durch Einfuhrbeschränkungen massiv erschwert

Ein wesentlicher Grund für die prekäre Versorgungslage seien strenge Einfuhrbeschränkungen, schreibt die Diakonie. Zahlreiche Güter würden als sogenannte „Dual-Use“-Produkte eingestuft – also als Waren, die zivil genutzt werden, jedoch auch militärisch eingesetzt werden könnten. Dazu zählen Treibstoffe, Generatoren und Ersatzteile für Fahrzeuge, aber auch Medikamente und Hilfsmittel wie Rollstühle oder Krücken. Außerdem werde die Verteilung humanitärer Hilfe durch fehlende Fahrzeugteile erheblich erschwert. Gleichzeitig seien große Teile des Gazastreifens für Hilfsorganisationen nicht oder nur eingeschränkt erreichbar. „Es ist unerträglich, dass Hilfe bereitsteht, aber die lebensnotwendigen Güter nicht oder nur unter enormen Schwierigkeiten zu den Menschen gelangen“, findet Moser klare Worte. „Die Folgen sind verheerend, es geht ums Überleben.“

Extrembedingungen für Hilfskräfte

Die Diakonie Katastrophenhilfe ist mit ihrem kirchlichen Partner-Netzwerk weiterhin in Gaza präsent. Die Umstände, unter denen die humanitären Helfer und Helferinnen arbeiten, seien immens belastend, berichtet Moser: „Viele sind selbst vertrieben und leben in denselben Lagern wie jene Menschen, die sie unterstützen. Sie leiden unter zu wenig Schlaf, haben kaum Zugang zu sauberem Wasser und leben in permanenter Unsicherheit. Und dennoch leisten sie täglich Hilfe für ihre Nachbar:innen.“

Die Diakonie unterstützt gemeinsam mit einem kirchlichen Partner unter anderem provisorische Schulen in Lagern für Binnenvertriebene. Die Bedingungen, unter denen der Unterricht stattfindet, sind extrem: „Die Kinder versuchen zu lernen, während über ihren Köpfen Drohnen fliegen und ihre Familien nicht wissen, ob sie am nächsten Tag Wasser, Essen oder Medikamente haben werden. Umso wichtiger sind Orte, an denen sie für einige Stunden Kind sein dürfen“, sagt Moser. „Und es sind unsere lokalen Partner, die diese Räume möglich machen – obwohl sie selbst unter denselben Entbehrungen leiden.“

Österreich müsse Worten konkrete Schritte folgen lassen

Die Diakonie weist darauf hin, dass das offizielle Österreich im Rahmen der UN-Generalversammlung klare Worte zu den anhaltenden Verletzungen des humanitären Völkerrechts in Gaza und im Westjordanland gefunden habe. Politische Stellungnahmen allein reichten jedoch nicht, betont die Diakonie in ihrer Aussendung. „Die Bundesregierung muss konkrete Maßnahmen zur Wahrung des humanitären Völkerrechts einfordern: ungehinderter Zugang für Hilfsgüter, Schutz von Gesundheitseinrichtungen und Schulen, Schutz von Helfern und Helferinnen. Humanitäre Hilfe muss die Menschen erreichen können – sicher, verlässlich und ohne vermeidbare Hindernisse.“