Moser: „Eine Erkrankung kommt selten allein“
Graz/Innsbruck/Klagenfurt (epdÖ) – Medizinische Versorgung mit Therapie, Pflege und psychosozialer Unterstützung unter einem Dach bietet die Diakonie in sechs Primärversorgungszentren in Tirol, der Steiermark und Kärnten. Ziel sei es, gesundheitliche und soziale Probleme gemeinsam in den Blick zu nehmen und Menschen wohnortnah zu unterstützen, teilte die Hilfsorganisation der evangelischen Kirche am Donnerstag, 5. November, mit.
„Gesundheit darf nicht davon abhängen, ob jemand die richtigen Kontakte hat, sich im Versorgungssystem auskennt oder mehrere Wege auf sich nehmen kann“, erklärte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Der Anspruch sei, dass Menschen dort Hilfe finden, wo sie leben – „und zwar medizinisch, therapeutisch und psychosozial“. In den Zentren arbeiten Kassenärzt:innen, Pflegeberatung, Sozialberatung, Diätologie, Ergo- und Physiotherapie, Klinische Psychologie, Psychotherapie unter einem Dach. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen könnten auch psychische Belastungen, Einsamkeit oder finanzielle Schwierigkeiten berücksichtigt werden.
Ansatz „Social Prescribing“
„Eine Erkrankung kommt selten allein“, betonte Moser. Wer etwa unter anhaltenden Beschwerden leide und zugleich mit Einsamkeit, finanziellen Sorgen oder psychischen Belastungen zu kämpfen habe, brauche aufeinander abgestimmte Angebote. Ein Ansatz dabei ist das sogenannte „Social Prescribing“ (soziale Verschreibung). Ihm liegt das so genannte „bio-psycho-soziale Gesundheitsmodell“ zugrunde, das anerkennt, dass Gesundheit nicht nur von biologischen, sondern auch von psychischen und sozialen Faktoren bestimmt wird. „Wir sind es gewohnt, zwischen Cure und Care, Medizin und Sozialem zu unterscheiden. Wir müssen das aber zusammendenken“, so Moser. Einsamkeit, Geldsorgen, familiäre Probleme oder Überforderung bei der Pflege Angehöriger könnten ebenfalls krank machen.
Das ursprünglich aus Großbritannien stammende Konzept wird in Österreich seit 2021 im Rahmen der Agenda Gesundheitsförderung erprobt. Bisherige Erfahrungen zeigen laut Diakonie, dass 85 Prozent der Patienten an regionale Angebote weitervermittelt werden konnten. Ebenfalls 85 Prozent berichteten von subjektiven Verbesserungen, 86 Prozent würden das Angebot weiterempfehlen. Aufseiten der Ärzt:innen berichten 73 Prozent, dass sie seit der Umsetzung von Social Prescribing mehr Zeit für ihre Patient:innen haben, und 47 Prozent berichten, dass sie mehr Patient:innen behandeln können. Die Diakonie hat seit 2021 Erfahrungen mit der Sozialen Verschreibung bei AmberMed (in Wien) und in Salzburg gemacht.