Alles neu

<h3>Michael Chalupka über die „gefährliche“ Jahreslosung 2026</h3>
<p><span id="more-214046"></span></p>
<p>„Siehe, ich mache alles neu!“ Das ist die Jahreslosung, die in den Evangelischen Kirchen 2026 gilt. Eine Jahreslosung, die gefährlich ist. Sie kann zu einem doppelten Missverständnis führen. Einerseits könnten Christinnen und Christen in der Versuchung sein, ihre Hände in den Schoß zu legen, da Gott ja verspricht, dass er alles neu macht und wir rein gar nichts dazu tun können. Nach dem Motto: „Der Papa wird’s schon richten.“</p>
<p>Zum anderen könnten Menschen, die zweifeln angesichts der Lage, in der sich die Welt befindet, dadurch ein Argument finden, an Gott zu verzweifeln – einem Gott, der verspricht, alles neu zu machen, und doch bleibt alles beim Alten. Das Sterben an den Fronten der Kriege, der Hunger in der Welt werden auch 2026 ihre Fortsetzung finden.</p>
<p>Beide Haltungen missverstehen die Botschaft. Es heißt nicht: „Siehe, ich werde alles neu machen!“ Irgendwann in ferner Zukunft. Sondern Gott spricht uns direkt an: Jetzt, hier, in deiner Situation, in dem, was dich bedrängt, gibt es Hoffnung, gibt es Trost, gibt es eine andere Möglichkeit. Diese neue Welt ist eine Einladung, selbst neu zu werden und mitzuhelfen, dass sich unsere kleine Welt, die uns umgibt, erneuert, dass sie eine Welt wird, in der Versöhnung und Friede möglich sind und die Tränen abgewischt werden und die Trauernden getröstet. Es geht nicht darum, die Hände in den Schoß zu legen, sondern sie Gott, der alles neu macht, zur Verfügung zu stellen.</p>