Ökumenischer Gottesdienst in St. Agatha im Gedenken an Bauernführer Stefan Fadinger
Linz (epdÖ) – Die Bauernkriege in Oberösterreich vor 400 Jahren seien Mahnung an die Gegenwart. Auch wenn die Auseinandersetzungen von 1626 nicht eins zu eins auf heute übertragen werden könnten, sei es die Verantwortung und Aufgabe der Kirchen, heute die Gewalt zu überwinden. So die Botschaft eines ökumenischen Gottesdienstes am Sonntag, 5. Juli, in St. Agatha (OÖ.), gefeiert vom oberösterreichischen Superintendenten Gerold Lehner und dem Linzer römisch-katholischen Bischof Manfred Scheuer.
Die Feier bezog sich auf den bekanntesten Spross der Gemeinde St. Agatha: Der dort 1585 geborene Stefan Fadinger war Bauer und Oberhauptmann der aufständischen protestantischen Bauern des Traun- und Hausruckviertels im oberösterreichischen Bauernkrieg. Vor genau 400 Jahren, am 5. Juli 1626, starb er in Ebelsberg bei Linz an den Folgen einer Schussverletzung. Fadinger hatte sich gemeinsam mit Aufständischen gegen die Rekatholisierung der Gebiete Ob der Enns zur Wehr gesetzt.
Beide Seiten vermeinten das christlich Richtige zu tun
In seiner Predigt befasste sich Lehner mit der Bergpredigt, wo es unter anderem heißt: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Vor diesem Hintergrund sei sowohl das, was die protestantischen Bauern als auch die katholische Obrigkeit getan haben, „indiskutabel und steht unter dem Verdikt des Gerichtes Gottes“. Doch, so Lehner, „Wer gibt uns eigentlich das Recht, die Bergpredigt gegen die Geschichte zu lesen und zu meinen, wir wären damit nicht gemeint? Oder noch besser, zu meinen, wir würden ihr ja wohl entsprechen?“ Der Superintendent plädierte dafür, die „Tugend der Demut“ zu üben „und uns nicht über die Geschichte und unsere Vorfahren zu überheben, sondern wir sollten von ihnen, die uns vorausgegangen sind, lernen“.
Damals hätten sich beide Seiten auf den Glauben berufen und vermeinten das christlich Richtige zu tun, erläuterte Lehner weiter. Doch damit stelle sich die Frage, ob man mit dem Christentum letztlich alles rechtfertigen könne. Lehner: „Oder gibt es im Christentum einen Dreh- und Angelpunkt, eine Mitte, die zugleich Orientierung und kritischer Maßstab für alles andere ist?“ Diese Mitte des Glaubens, Orientierung und kritischer Maßstab sei Gott selbst, „der in Christus Mensch geworden ist und diese Liebe bis in die letzte Konsequenz gelebt hat“, so Lehner. Von hier aus „können und dürfen und müssen wir das Leben neu begreifen, neu ordnen, neu zu gestalten lernen“.