Europäischer Toleranzpreis 2026 geht an Umyma El-Jelede

Mattioli bei Eröffnung der Toleranzgespräche: „Immer wieder um die Wahrheit ringen“

Villach/Fresach/Wien (epdÖ) – Die Ärztin und Sozialberaterin Umyma El-Jelede (54) wurde am Donnerstagabend, 21. Mai, in Fresach mit dem Europäischen Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte der Stadt Villach ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte im Rahmen der Europäischen Toleranzgespräche Fresach (ETG), die heuer unter dem Motto „Widerstand & Verantwortung“ standen.

Das Engagement von Umyma El-Jelede für Mädchen und Frauen aus afrikanischen und arabischsprachigen Gemeinschaften sei beispielgebend, ihr Wirken für interkulturelles Verständnis, Bildung und soziale Integration eine wesentliche Grundlage für den Zusammenhalt einer pluralistischen Gesellschaft, so die Begründung der Jury. Die gebürtige Sudanesin praktizierte in Libyen als Ärztin und Chirurgin, bevor sie 2004 aus politischen Gründen flüchten musste. Nach drei Jahren in einem Caritasheim in Wien erhielt sie Asyl in Österreich. Ab 2007 baute sie für das Frauengesundheitszentrum „FEM Süd“ ein Beratungsangebot für Frauen auf. Für ihr Engagement und ihre Widerstandsarbeit gegen die weibliche Genitalverstümmelung erhielt sie unter anderem den Menschenrechtspreis (MiA Award 2014) der Bundessportorganisation.

Zentrum des protestantischen Widerstands

Am Donnerstagvormittag waren die diesjährigen Europäischen Toleranzgespräche Fresach offiziell eröffnet worden. In ihrer Begrüßungsrede widmete sich Andrea Mattioli dem Thema „Widerständig sein“ aus protestantischer Sicht. Die Superintendentin der Diözese Kärnten-Osttirol und Obfrau des ETG-Veranstalters „Denk.Raum.Fresach“ (DRF) erinnerte an das Zitat „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, das Martin Luther zugeschrieben wird. Diese Aussage sei eine, die Protestanten seit jeher begleite. Das Gewissen sei dabei allein an Gottes Wort gebunden und dem Glauben verpflichtet.

Auch das Dorf Fresach sei in der Zeit des Geheimprotestantismus ein Zentrum des protestantischen Widerstands gewesen. Die Evangelischen damals „brauchten keine Obrigkeit, nicht einmal einen Pfarrer“, erinnerte die Superintendentin. Sie lasen die Schriften, bestärkten sich gegenseitig, auch wenn sie bedrängt waren, „sie waren widerständig.“

Auch heute werde man genötigt, Stellung zu beziehen. „Wir alle sind durch die Taufe geheiligt“, betonte Mattioli, und das „fordert uns heraus zu Widerstand und zu Toleranz“. Als Christinnen und Christen könne man nicht anders, als Verantwortung ernst zu nehmen und wahrzunehmen. Das bedeute immer ein Ringen um die Wahrheit, orientiert am biblischen Zeugnis. Mattioli: „Wir müssen immer wieder um die Wahrheit ringen und sie anwenden auf unser Leben, unsere Gesellschaft, unsere Politik. Diese Wege wollen wir auch weiterhin in Fresach suchen und vertiefen.“

Widerstands-Charta verabschiedet

Zum Abschluss der Toleranzgespräche hat das Kuratorium von „Denk.Raum.Fresach“ Leitlinien gegen falsche Entwicklungen in Politik und Wirtschaft beschlossen. Die „Fresacher Charta zu Widerstand und Verantwortung“ liefert Grundlagen, warum wann und wo Widerstand zu leisten ist und wie er zu erfolgen hat, ohne Schaden anzurichten.

Widerstand gegen illiberale und antidemokratische Tendenzen sei auf allen Ebenen angebracht, von der Gemeindeebene bis hinauf in die Europäische Union. Aus der Freiheit des Menschen erwachse auch die Pflicht zum Widerstand, wenn Recht gebrochen, Wert und Würde von Mensch und Natur in Frage gestellt werden.

Das Papier räumt ein, dass der wohl verstandene Widerstand in und aus Verantwortung „eine schwierige Übung“ vor allem für jene bleibe, die sich einem demokratisch-aufgeklärten Verständnis von der Welt, der Verständigung und dem Dialog zwischen den Menschen verpflichtet fühlen, so Mitautor und Initiator Claus Reitan. Doch Widerstand bedeute ganz klar auch, der Intoleranz und Bevormundung mit Vehemenz und entsprechenden Mitteln entgegenzutreten.

Weitere Informationen: www.fresach.org