Hoffnung

Michael Chalupka über einen Charts-Hit mit Worten des Propheten Jesaja

Die Beatles waren mehr als eine Band. Sie standen für ein Lebensgefühl. „All You Need Is Love“ im „Summer of Love“ 1967 war Ausdruck des Glaubens der Hippiekultur, dass die Welt durch Liebe, Pazifismus und Flowerpower verändert werden kann. Ein Gegenentwurf zum Kalten Krieg.

Die weltweiten Hitparaden sind ein Seismograph, der zeigt, was die Jugend gerade bewegt. 1983 wurden Nenas „99 Luftballons“ zur Hymne der Friedensbewegten, Falcos „Rock me Amadeus“ feierte die Kultur der Selbstinszenierung und ließ die Angst vor dem Absturz spüren.

Im September stürmte erstmals eine Jazzband die Spitze der englischen Charts. Ihr Album startet ungewöhnlich mit einem Text des Propheten Jesaja: „Jenseits des Schmerzes wird alles neu werden, Schönheit statt Asche, Freude statt Klage, Lobgesang statt Niedergeschlagenheit.“ Darauf folgen energiegeladene Rhythmen. Die Musik von „Ezra Collective“ sagt: Die Welt da draußen ist hart und zerrissen, aber wir schaffen unseren eigenen Raum voll Hoffnung, Vielfalt und kollektiver Energie.

Das ist kein blinder Optimismus, sondern eine bewusste Entscheidung für die Hoffnung angesichts realer Probleme. Bandleader Femi Koleoso, Kind eines Pfarrers, arbeitet auch in Jugendklubs im von Armut betroffenen Norden Londons. Er vermittelt mit seiner Musik: „Ja, das System schwächelt, aber wir lassen uns unsere Freude und unsere Zukunft nicht stehlen.“