Aufruf zu mehr Bewusstsein und konkretem Handeln
Villach (epdÖ) – Die Evangelische Kirche Kärnten/Osttirol und die Katholische Kirche Kärnten mahnen aus Anlass der gerade begonnenen „Schöpfungszeit“ (1.9. bis 4.10.) zu mehr Bewusstsein im Umgang mit der Schöpfung und regen zu konkretem Handeln an. In einer gemeinsamen Erklärung unter dem Titel „Die Schöpfung brennt – und wir dürfen nicht wegsehen!“ wird auf die teilweise verheerenden klimatischen Ereignisse und Gegebenheiten im heurigen Sommer hingewiesen. „Hitze, Dürre, Wassermangel und extreme Wetterereignisse sind längst auch bei uns in Kärnten angekommen“, heißt es in der Aussendung. Darum der Appell: „Schützen wir die Schöpfung, stärken wir Nachhaltigkeit und machen wir Klimaschutz in unserem eigenen Handeln sichtbar.“
Das ökumenische Leitwort für die Schöpfungszeit 2026 lautet „Lebendige Wasser“. Wasser sei Leben, schreiben die Autor:innen, und „erinnert uns daran, was wir bewahren müssen – und daran, dass Erneuerung möglich ist“.
Der Klimawandel sei keine Frage von Meinung oder Weltanschauung, heißt es in der Erklärung weiter, sondern folge den Gesetzen der Physik. „Über die Physik des Klimawandels kann man nicht abstimmen. Über unsere Antwort darauf schon“, wird zu Bewusstsein und Handeln aufgerufen. Denn „als Christinnen und Christen glauben wir an Gott als Schöpfer allen Lebens. Die Erde ist uns anvertraut, nicht ausgeliefert. Ihre Bewahrung gehört deshalb zum Kern unseres Glaubens: aus Dankbarkeit für die Schöpfung, aus Verantwortung für das Leben und aus Liebe zu den kommenden Generationen.“
Energiewende auch um des Friedens und der Freiheit willen
„Wir danken allen Menschen in Kärnten, die sich für Klimaschutz und den umfassenden Schutz unserer Lebensgrundlagen einsetzen“, betonen die Autor:innen. Ihr Engagement zeige, dass Veränderung möglich ist. Es brauche Menschen, die nicht wegschauen, sondern anpacken – außerdem brauche es politische Entschlossenheit: „Wir brauchen wirksame Klimaschutzgesetze und verlässliche politische Rahmenbedingungen, die nachhaltiges (Land-)Wirtschaften ermöglichen und zugleich soziale Gerechtigkeit sichern.“
Die Verfasser:innen plädieren für eine „unverzichtbare konsequente Energiewende“: weg von Öl und Gas, hin zu Energiesparen, Effizienz und erneuerbaren Energien. Denn fossile Abhängigkeit sei nicht nur ein Klimaproblem, sondern „sie schafft geopolitische Abhängigkeiten und steht im begründeten Verdacht, autoritäre Regime und Kriege mitzufinanzieren“. Darum gehe es bei der Energiewende auch um Frieden und Freiheit. In diesem Zusammenhang wird in der Erklärung auf den Begriff „Friedensenergien“ des deutschen Religions- und Politikwissenschaftlers Michael Blume hingewiesen. „Erneuerbare Energien können unsere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verringern und damit einen Beitrag zu Frieden, Sicherheit und Freiheit leisten“, zeigen sich die Verfasser:innen überzeugt. Denn „Sonne, Wind und Wasser kennen keine geopolitischen Monopole“.
Erarbeitet wurde die gemeinsame Erklärung „Die Schöpfung brennt“ von Lydia Burchhardt, Hans Kirchmeir, Herwig Sturm, Gerfried Wagner, Ulrike Wöhlert (Umweltteam der Evangelischen Superintendentur A.B. Kärnten /Osttirol) sowie von Harald Jost, Referat für Schöpfungsverantwortung der Katholischen Kirche Kärnten und Pfarrer Hans Peter Premur, Bischofsvikar für Schöpfungsverantwortung, Migration und Interreligiösen Dialog.