Der Geschmack der Ewigkeit
Michael Chalupka über das Abendmahl und den verstorbenen Weihbischof Helmut Krätzl
Die Unendlichkeit, die Ewigkeit, das Göttliche, all das kann man schmecken. Im Christentum spielt das Abendmahl deshalb eine zentrale Rolle. In der Eucharistie, wenn das Brot gegessen und der Wein gekostet wird in der Gemeinschaft der Gläubigen mit Jesus Christus, spricht dieses Sakrament den Geschmack fürs Unendliche an. Diese leibliche, sinnliche Erfahrung von Gottes Zuwendung zu den Menschen ist den Kirchen wichtig.
Einer, dem das besonders wichtig war, ist diese Woche mit einem feierlichen Requiem im Stephansdom zu Grabe getragen worden. Der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl war am 2. Mai im 92. Lebensjahr verstorben.
Der frühere evangelische Bischof Michael Bünker würdigte Krätzl als einen, dem die Ökumene ein Herzensanliegen war, und er erinnerte dabei daran, dass Krätzl die Frage nach der Gemeinschaft am Tisch des Herrn, die ja immer noch nicht allen Kirchen möglich erscheint, besonders am Herzen lag: „Ja, Weihbischof Krätzl wünschte sich die Mahlgemeinschaft, zunächst wohl in Form einer eucharistischen Gastfreundschaft.“ Krätzl habe sich stets für das ökumenische Grundanliegen – die eucharistische Gastfreundschaft – stark gemacht und diese „auch dann und wann in großer Freiheit praktiziert“.
Ist das Abendmahl auf Erden ein Vorgeschmack des Reiches Gottes, so möge Helmut Krätzl jetzt das sehen und schmecken, was er geglaubt hat, und fröhlich auferstehen.